Männlichkeit und Rasen PDF Drucken E-Mail

Männlichkeit und Rasen        Vor allem Männer gefährden beim Autofahren sich und andere Autofahrer durch Rasen. Autounfälle als Folge überhöhter Geschwindigkeit besonders junger Männer sind ein großes Problem für die Männergesundheit. In einer Studie der Schweizer Universität Neuenburg (Université de Neuchâtel) wurde nun ein direkter Zusammenhang zwischen dem Rasen junger Männer und Männlichkeitsbildern festgestellt. Eine Gruppe um die Sozialpsychologin Marianne Schmid Mast,  Professorin am Institut für Arbeitspsychologie der Universität Neuenburg, ließ 83 Testpersonen am Fahrsimulator eine achtminütige Überlandfahrt durch Zonen mit Höchstgeschwindigkeit von 50, 70 und 80 km/h absolvieren. Als Testfahrer wurden bewusst ganz normale junge Männer gewählt: Studenten zwischen 20 und 27 Jahren - also nicht solche, die wegen ihrer soziokulturellen Her­kunft bereits von vorn herein als „rasergefährdet“ gelten.

Während der Fahrt am Simulator wurden zwei Probandengruppen am Autoradio Wörter mit betont männlicher oder betont weiblicher Konnotation vorgespielt, während eine dritte Gruppe auf ihrer Fahrt neutrale Wörter zu hören bekam. Um die Aufmerksamkeit der Testfahrer auf das Radio zu lenken waren sie angewiesen worden, jeweils beim Wort „Fahrplan“ zu hupen. Von den insgesamt 120 Wörtern waren 50 Prozent testrelevant. Zu den männlichen Ausdrücken zählten etwa „Bart“, „Muskeln“, „Ehrgeiz“ oder „Tarzan“, während als weibliche Begriffe wie „Lippenstift“, „Absätze“, „Strümpfe“, oder „Rosa“ gewählt worden waren. Die neutrale Gruppe hörte Wörter wie „Tisch“, „Stuhl“ oder „Buch“. Nach Ende der Testfahrt konnten sich die Teilnehmer aller drei Gruppen nicht mehr an einzelne Begriffe erinnern.  Aber alle Teilnehmer, die männliche Wörter gehört hatten, waren deutlich schneller bis doppelt so schnell wie die anderen.  Jene, die weibliche Ausdrücke hörten, waren dagegen langsamer unterwegs als die Neutralen.

Junge Männer scheinen demnach zum risikoreichen Fahren zu neigen, wenn sie sich in einem betont männlichen Umfeld befinden - also etwa am Wochenende, wenn Sie mit gleichaltrigen jungen Männern im Auto sitzen. Für die Männergesundheitsförderung sind diese Ergebnisse nicht nur für die Zielgruppe der Fahrer, sondern auch für die Beifahrer wichtig: Wie kann beim Autofahren eine "neutrale", nicht von traditionellen Männlichkeitsaspekten aufgeladene Atmosphäre geschaffen werden?

(Quellen: Neue Zürcher Zeitung, 31.10.2007 Auflage/ Seite 151112 / 13; Universität Neuenburg, Pressemitteilung: www2.unine.ch/presse/page21542.html).

 
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